Uncategorized

Digitalisierung wird individualisierendem Unterricht zum Durchbruch verhelfen

Es heisst, es werde heute überall «individualisierender Unterricht» erteilt. Doch das stimmt keineswegs! Wenn Schüler in Deutsch und Mathematik ab und zu am Computer, in Projekten oder anhand von Wochenplänen lernen dürfen, entspricht das nicht jener individuellen Förderung, der es bedarf, um die grassierende Über- und Unterforderung aufzuheben. «Selbstwirksames» oder «individualisierendes Lernen» sind unklare Begriffe. «Individualisierend» werden auch jene Unterrichtsformen genannt, welche individualisiertes Lernen lediglich zeitlich begrenzt ermöglichen. Unterricht, der den Lernenden lediglich während einer Schulstunde oder während einer Woche ermöglicht, im individuellen Tempo zu arbeiten, kann weder schulisch schwachen Kindern aufhelfen, noch Unterforderung aufheben. Zeitlich beschränkte Individualisierung ist nicht vergleichbar mit jener wirksamen Individualisierung, die beispielsweise in Montessori-Einrichtungen praktiziert wird, die den Schülern in Deutsch und Mathematik erlaubt, zeitlich unbegrenzt, also auch das Schuljahr übergreifend (!), im eigenen Tempo zu arbeiten.

Digitale Lehrmittel und Monitoring ermöglichen den Lernenden selbstbestimmtes Lernen und bieten Möglichkeit zur Selbstkontrolle. Schüler können Übungen so oft wiederholen, bis der Lernstoff sitzt und Prüfungen bestanden werden können. Das bedeutet eine enorme Entlastung für die Lehrpersonen! Und die Schüler fühlen sich weniger von den Lehrpersonen bevormundet. Digitales Lernen hat einen weiteren Vorteil: Der Wettbewerb unter den Schülern wird auf ein Minimum reduziert! Damit konzentrieren sich die Diskussionen von Eltern und Kindern auf die individuellen Fortschritte und nicht auf die Leistungen des Kindes im Vergleich mit dem Nachbarskind oder den Klassenkameraden! Die digitalen Medien ermöglichen endlich jene effiziente individuelle Förderung, die bereits Carleton Washburne anfangs und Maria Montessori in der Mitte des 20. Jahrhunderts vorgeschlagen haben. Das Potenzial der Schüler kann ausgeschöpft werden und die Freude am Lernen bleibt bis ans Ende der Schulzeit bestehen.

Zu den genannten Einsichten sind auch amerikanische Forscher gekommen, welche 2019 den Nobelpreis für Ökonomie erhielten. Eine der Massnahmen, die für erfolgreiches Lernen angewendet werden müsste, hat die Armutsforscherin Esther Duflo zusammen mit zwei Kollegen dokumentiert. Sie stellten fest, dass Entwicklungsgelder, die für die schulische Förderung in Indien und Kenia eingesetzt wurden, bisher nichts an der Tatsache ändern konnten, dass die Schüler nur wenig lernen. Sie fordern nun, dass der Schulunterricht besser an das kindliche Niveau angepasst wird. Die Kinder sollen in Gruppen eingeteilt werden, die ihren Fähigkeiten, nicht ihrem Alter entsprechen. Den Lernstand eines Kindes abrufen – auch dazu sind digitale Tools bestens geeignet.

Zeitlich unbegrenzte Individuelle Förderung erfordert weniger nicht mehr Ressourcen und braucht auch weniger Lehrpersonen! Die meisten Schüler sind schulisch begabt. Sie würden schneller und nachhaltiger lernen, wenn sie das Lerntempo selbst bestimmen könnten. Die Lehrpersonen hätten mehr Zeit, sich schulisch schwachen Schülern zu widmen. Damit würden alle entlastet: Schüler, Eltern und Lehrpersonen!

Angaben zur Autorin Clarita Kunz ist in Zürich aufgewachsen. Nach der Ausbildung zur Primarlehrerin an der Pädagogischen Hochschule Zürich unterrichtete sie 15 Jahre auf allen Stufen der Volksschule als auch in einigen Privatschulen. Da sie sich insbesondere für die Ursachen von Lern- und Verhaltensstörungen interessiert, absolvierte sie noch das Studium der Schulischen Heilpädagogik mit dem Schwerpunkt «Verhaltensauffälligkeiten». Danach arbeitete sie als Schultherapeutin für Lese-/Rechtschreibschwächen und Dyskalkulie. 2001 gründete sie einen privaten Montessori Kindergarten, in dem sie seither als Schulleiterin arbeitet. Für zwei Schweizer Tageszeitungen sowie für den Verein LLZ schreibt sie Artikel und Blogs zum Thema Schulentwicklung.

Von 2010 bis 2012 war sie im Vorfeld der kantonalzürcherischen Abstimmung engagiert als Mitglied des Initiativkomitees «JA! Freie Schulwahl für alle, ab der 4. Klasse». 2020: Engagement zur Lancierung der Petition „Bildungsvielfalt für alle statt für wenige“ im Kanton Zürich.

Während ihrer praktischen Tätigkeit konnte sie Erkenntnisse gewinnen, die für die Schulentwicklung von Bedeutung sein können. Sie werden von Studien renommierter Erziehungswissenschaftler, Neurologen als auch von Vertretern der Wirtschaft gestützt.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: