Schulleitungen sollen Lehrpersonen entlasten aus: VOLKSSCHULE WOHIN? – Missstände und Lösungen


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Schulleitungen wurden zur Entlastung der Lehrpersonen eingeführt. Aber ihre Funktionen sind auch umstritten. Die Tatsache, dass der Schulunterricht früher ohne Schulleitungen funktionierte, ist heute fast nicht mehr vorstellbar. Die Lehrerinnen und Lehrer waren für sehr vieles selbst verantwortlich. Schulleitungen und vom Staat beschlossene Verordnungen schränken ihre Eigenverantwortung stark ein. Dessen sind sich Lehrpersonen oft wenig bewusst, weil sie es anders gar nicht kennen.

Schulleiter müssen Verordnungen übernehmen und in ihren Schulen umsetzen, auch wenn sie von deren Nutzen nicht überzeugt sind und die verbindlich umzusetzenden Vorgaben ihren eigenen pädagogischen Idealen wenig bis gar nicht entsprechen.

Die Lehrpersonen sind also weniger sich selbst überlassen als früher, erhalten dafür aber mehr obligatorisch zu erfüllende Vorgaben, die sie bevormunden: Die Art und die Organisation von Exkursionen, die Anzahl der Elterngespräche, Schülerbeurteilungen, Protokolle, Teamsitzungen, Weiterbildungen und vieles mehr wird allen Lehrpersonen Semester für Semester vorgegeben, auch den erfahrenen. Vieles wäre nicht notwendig. So viele Vorgaben sind belastend und hindern die Lehrerinnen und Lehrer oft daran, dass sie sich auf ihr «Kerngeschäft», auf das Unterrichten, das Vermitteln von Kompetenzen, konzentrieren können. Alles muss wie vorgegeben organisiert, den Eltern und der Schulleitung kommuniziert, durchgeführt und genauestens dokumentiert werden, ob es einem sinnvoll erscheint oder nicht.

Junglehrerinnen und Junglehrer sind in den ersten Jahren dankbar für so viele Absprachen und fühlen sich sicherer beim Unterrichten. Dass sie ihre Arbeit derart oft dokumentieren und vor den Schulleitungen rechtfertigen müssen, betrachten sie aber bald als unnötigen, belastenden, Ressourcen verschlingenden Zusatzaufwand.

Der bürokratische Aufwand der Lehrpersonen ist mittlerweile beinahe gleich hoch wie der Aufwand zum Unterrichten selbst. Lehrpersonen haben einen immer grösseren administrativen Aufwand und immer weniger zu sagen. Das ist frustrierend. Die Schule ist überaus hierarchisch geworden: Bildungsdirektionen geben Reformen vor. Schulleiter müssen sie umsetzen. Sie beurteilen auch den Unterricht der Lehrkräfte, stehen im Kontakt mit den übergeordneten staatlichen Stellen, Heilpädagogen, Schulpsychologen und Eltern und planen Projekte, deren Ausführung den Lehrerinnen und Lehrern obliegt. Um eine noch steilere Hierarchie zu schaffen wird gar überlegt, ob an den Volksschulen Stellen für Rektoren geschaffen werden sollten.

Die Entdemokratisierung der Schulen in den letzten 25 Jahren ist tiefgreifend. Ein Aufschrei, der sich gegen diese Entwicklung wendet, ist nicht vernehmbar.

Linke Politiker als auch der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) wehren sich, sobald es darum geht, den Schulen mehr Autonomie zu gewähren. Sie monieren etwa: «Unterschiedliche Regelungen erodieren die Idee einer Volksschule für alle.» (Zürichsee Zeitung, 15, Dezember, 2018). Mit dem Wiederholen solch leerer Worthülsen schaffen es Politiker regelmässig (wieder-) gewählt zu werden.

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