ZWEITER MYTHOS: Viele Schulische Heilpädagogen heisst auch viele therapierte Kinder

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Zu denken, es gebe heute mehr auffällige Schülerinnen und Schüler, weil immer mehr schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen ausgebildet werden, die dann auch beschäftigt werden müssen, ist nicht richtig. Der Fakt, der belegt, dass es in den staatlichen Schulen immer mehr Fachkräfte braucht, ist systemisch bedingt, wie später gezeigt wird. Einige Politikerinnen und Politiker hatten sich mit der Einführung der Integration (Deutschland: Inklusion) wohl erhofft, dass es weniger Therapeuten braucht und demnach Steuergelder eingespart werden können. Das Umgekehrte ist der Fall.

Diese zwei Ursachen legitimieren einen Teil der Zunahme der Therapien:

  • Die Kinder sind in den letzten Jahren definitiv kritischer gegenüber der Institution Schule geworden, mitsamt ihren Eltern. Sie äussern sich heute positiver und negativer als früher. Das ist gut. Es versteht sich, dass das für viele Lehrpersonen nicht immer angenehm ist, sondern oft anstrengend. Daraus resultiert, dass Lehrpersonen (und Eltern) Kinder, die den Unterricht stören und aufbegehren, öfter abklären lassen als früher. Heute stören mehr Kinder als früher. Mehr Kinder erhalten das Label „verhaltensauffällig“ oder „lernbehindert“ und werden therapiert.
  • Die verbesserte Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen als auch jene der Schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen führt dazu, dass einige Ursachen von Problemen der Kinder heute besser erkannt werden als in den vergangenen Jahren. Dies macht jedoch lediglich eine geringfügige Zunahme der heilpädagogischen Massnahmen aus.

Wir stecken nach wie vor in einer Sackgasse, denn der immer noch zunehmende Therapiebedarf zeigt, dass die derzeitige Form der Integration aller Schüler in eine Klasse nicht zur Verbesserung der schulischen Leistungen beiträgt. Die empirischen Resulate fallen immer noch inakzeptabel schlecht aus. Viele Politiker fordern nun, es brauche „eben wieder mehr Strenge“ oder es müsse wieder mehr auswendiggelernt werden. Ungeachtet der Tatsache, dass die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, dass viel Auswendiglernen, das tonnenweise Ausfüllen von Arbeitsblättern und Frontalunterricht die schulischen Leistungen nicht verbessern, fordern sie genau dies lautstark und bekämpfen neue Unterrichtsformen vehement. Andere wieder wollen das Üben ganz weglassen. Sie wollen es ersetzen durch das Vermitteln von „Kompetenzen“.

Die Hauptursachen dafür, dass die Ausgaben für Therapien weiter in die Höhe schnellen, sind struktureller Art. Sie werden später ausgeführt.

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Kinder werden heute überfordert und überfördert

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