Was versteht man unter Funktionalem Analphabetismus oder Illetrismus? – Volksschule wohin? Missstände und Lösungen

Zu viele Schülerinnen und Schüler werden wegen Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreibschwächen und Dyskalkulie therapiert. Auch der Funktionale Analphabetismus, der auch Illetrismus genannt wird, ist eine Folge von nicht mehr zeitgemässem Unterricht. In Deutschland sind 7,5 Millionen Erwachsene davon betroffen (Zeit online 2016). In der Schweiz sind es mehrere Hunderttausend (Stiftung für Alphabetisierung und Grundbildung Schweiz SAGS).

Laut der „Stiftung für Alphabetisierung und Grundbildung Schweiz SAGS“ ist jedes Wort für mehrere Hunderttausend Menschen ein Buchstabensalat. Beinahe 20 Prozent der Erwachsenen sind beim Lesen auf dem Stand von Viertklässlern stehengeblieben (PISA 2016). In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten von ihnen die ganze Schulzeit in der Schweiz absolvieren und nicht mit Problemen wie Mehrsprachigkeit kämpfen müssen, ist das schlicht unakzeptabel!

Einer Studie aus dem Jahr 2011 der Universität Hamburg zufolge sind in Deutschland 7,5 Millionen Menschen Illetristen. Illetristen können zwar Buchstaben, Wörter und einzelne, ganz kurze Sätze lesen und schreiben, haben jedoch Mühe, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen.

Schon ganz kurze Gebrauchs- und Bedienungsanleitungen, Aufforderungen an Automaten, Abfahrts- und Ankunftszeiten an Bahnhöfen und im Internet, Mietverträge, Versicherungspolicen usw. sind für die Betroffenen meist unlösbare Herausforderungen. Solche Sprachdefizite können Betroffene in den Ruin treiben – wie beim bekanntesten Steueropfer der Schweiz, dem Hilfsarbeiter Ernst Suter aus Dürnten ZH. Wegen seiner Leseschwäche reichte er keine Steuererklärungen ein und wurde von den Steuerbehörden eingeschätzt. Die Steuerrechnungen stiegen kontinuierlich an. Am Schluss schätzten die Behörden das Einkommen des Hilfsarbeiters auf ein Managerniveau von 480’000 Franken. Er zahlte widerspruchslos – etwa eine Viertelmillion Franken zu viel. Die überrissenen Steuerrechnungen frassen nicht nur sein Jahreseinkommen auf, sondern auch seine Ersparnisse. Schliesslich lenkten die Steuerkommissäre ein und erstatteten ihm 250’000 Franken zurück.

Um sich nicht blamieren zu müssen, entwickeln Betroffene ausgeklügelte Strategien, damit das Problem in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Familien- und Freundeskreis nicht auffällt. Solche Strategien zu entwickeln erfordern viel Zeit und Konzentration, die ihnen anderswo fehlt. Daraus resultieren grosse schulische Probleme als auch Scham und ein geringes Selbstwertgefühl. Oft konnten schon die Eltern nicht richtig lesen und schreiben.

Es ist aufs Gröbste zu verurteilen, dass es zu viele Kinder gibt, die viele Jahre die Schulbank drücken, mit dem Resultat, dass sie am Ende weder lesen noch schreiben können. Offensichtlich geschieht das, ohne dass es Lehrpersonen merken. Dass so viele langsam Lernende, oftmals offenbar unbemerkt (!), während der gesamten Schulzeit in der Klasse mitgeschleppt oder vernachlässigt werden oder gar untergehen, ohne dass sie die Chance haben, sich zu verbessern, ist eine Tragödie! Diese ist absolut unvereinbar mit dem Anspruch der Schweiz, eines der besten Bildungssysteme der Welt zu haben. Die Lehrerverbände haben nach dem schlechten Pisa-Resultat sofort mehr Geld gefordert. Ein Konzept, wie der genannten Tragödie beizukommen wäre, fehlt allerdings.

Lesen Sie im nächsten Blog über weitere Probleme wie Ritalinverordnungen, zu kleine Elite, Schulabbrecher usw. die das Schweizerische Schulwesen seit Jahrzehnten produziert.

 

 

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