Vieles läuft schief und keiner schaut hin – Volksschule wohin? Missstände und Lösungen

 

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Vieles läuft schief an der Volksschule. Statistiken über nicht erreichte Lehrziele und eine Zunahme der Therapien belegen Missstände. Zusatzangebote müssen dafür sorgen, dass das duale System funktioniert. Jugendliche und ihre Eltern brauchen einen langen Atem, um zu gewährleisten, dass der Einstieg in die Berufslehre oder in eine weiterführende Schule gelingt. Oft gelingt der Übergang nicht einmal mit unterstützenden Brückenangeboten. Dies beklagen Lehrmeister und Gymnasiallehrer gleichermassen.

„Über 1000 Lehrstellen können nicht besetzt werden, weil sich keine Bewerber dafür finden. Umso schlimmer ist die Tatsache, dass viele Schulabgänger offenbar zu dumm für die Lehre sind. Im Interview mit der «Coopzeitung» sagte René Graf, oberster Lehrmeister des Verkaufspersonals, Erstaunliches: «Tendenziell bekommen wir mehr ungenügende Bewerbungen. Warum, wissen wir noch nicht.» Graf ist Präsident des Verbands Bildung Detailhandel Schweiz und Ausbildungsleiter bei Coop Ostschweiz-Ticino.

Genauso tönt es bei der Konkurrenz: «Auch die Migros-Gruppe erhält immer mehr Bewerbungen mit lediglich genügenden oder gar ungenügenden Schulleistungen», sagt Edith Rutschmann, Berufsbildungschefin beim orangen Riesen. Ein reines Problem des Detailhandels ist es aber nicht. Rutschmann betont: «Lediglich genügende oder ungenügende Schulleistungen verzeichnen wir bei allen Berufen und Branchen, zum Beispiel auch bei kaufmännischen Bewerbungen an die Migros Bank.»

Das bestätigen auch die Verbände anderer Branchen. Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, vertreten durch den Verband Swissmem, investiert verstärkt in den Nachwuchs. Denn in den letzten vier Jahren konnten zwischen fünf und sieben Prozent der Lehrstellen nicht mehr besetzt werden.  Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann kennt den Grund für die vielen leeren Lehrstellen:  «Viele Bewerber bringen nicht die schulischen Voraussetzungen mit, um eine anspruchsvolle, vierjährige Industrielehre wie zum Beispiel jene eines Polymechanikers zu absolvieren.»

Laut dem Bundesamz für Statistik wurden 2014 zudem mehr als 20 Prozent der abgeschlossenen Lehrverträge aufgelöst. TA 19.10.2015 Evi Schmid, Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung.

Der wahre Grund für die enorme Zunahme der Zusatzangebote ist : Jedes sechste Kind erreicht die minimalsten Lehrziele im Verlauf der obligatorischen Schulzeit nicht.

Obwohl die Lehrziele dieselben geblieben sind ist der Stoffdruck in den Schulen so hoch wie nie zuvor. Noch nie wurden so viele Arbeitsblätter ausgefüllt. Noch nie wurden so viele Prüfungen geschrieben. Trotzdem erreichen zu viele Schüler die Lehrziele nicht.
Lesen Sie im nächsten Blog: Zu viele Schülerinnen und Schüler werden wegen Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreibschwächen und Dyskalkulie therapiert. Auch der Funktionale Analphabetismus, der auch Illetrismus genannt wird, ist eine Folge von nicht mehr zeitgemässem Unterricht. In Deutschland sind 7,5 Millionen Erwachsene davon betroffen (Zeit online 2016). In der Schweiz sind es mehrere Hunderttausend (Stiftung für Alphabetisierung und Grundbildung Schweiz SAGS). Was versteht man unter Funktionalem Analphabetismus oder Illetrismus?

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2 Antworten

  1. Die Frage bleibt: Was ist zu tun? Was muss verändert werden? Was steckt eigentlich hinter diesen Problemen? Noch immer geht es einfach weiter „nach Tagesbefehl“ ohne diesen zu hinterfragen. So wird Ärger vermieden. Es wird lediglich hinter vorgehaltener Hand festgestellt, dass es Probleme gibt. Auch dies gehört zur heute vorherrschenden Haltung von „political correctness“. Wer will sich schon öffentlich bloss stellen?

  2. Clarita Kunz sagt:

    Weshalb eigentlich würde man sich mit kritischen Äusserungen am bestehenden System blossstellen? Was gibt es denn zu befürchten? Wovor haben Lehrpersonen Angst? Etwa vor dem Verlust der Stelle? Das wäre ja zu dumm, denn von Verbesserungen im Schulsystem könnten schliesslich alle profitieren.

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